Predigt
Die Eigenschaften des vollkommenen Gläubigen: Der Glaube wurzelt im Herzen, seine Frucht zeigt sich im Leben
Der Glaube wurzelt im Herzen und trägt Frucht im Leben. Demütige Andacht im Gebet, Zunge und Auge als anvertrautes Gut, üble Nachrede meiden, guter Charakter, den Zorn bezwingen, Geduld und Dankbarkeit, Treue zum gegebenen Wort und sieben Vorsätze hier in Europa.
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Der Glaube wurzelt im Herzen und trägt Frucht im Leben.
Die Bilder sind beispielhafte Szenen aus dem Leben einer Gemeinde im heutigen Europa.Vier Kerngedanken
- Der Glaube wurzelt im Herzen und trägt Frucht im Leben.Der vollkommene Gläubige ist in der Moschee und auf dem Markt derselbe Mensch.
- Das Gebet endet nicht in der Niederwerfung.Ein Gebet in demütiger Andacht wird in die Rede, ins Verhalten und in die Aufrichtigkeit getragen.
- Zunge, Auge und Herz sind ein anvertrautes Gut.Sprich Gutes oder schweige; halte dich fern von übler Nachrede und schlechter Vermutung.
- Die Vollkommenheit des Glaubens bemisst sich am guten Charakter.Ein Gläubiger, der Vertrauen schenkt, seinen Zorn bezwingt, geduldig ist und zu seinem Wort steht.
Eröffnung: Der Glaube ist ein Baum
الْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ، وَالصَّلَاةُ وَالسَّلَامُ عَلَى رَسُولِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلَى آلِهِ وَصَحْبِهِ أَجْمَعِينَ
رَبِّ اشْرَحْ لِي صَدْرِي وَيَسِّرْ لِي أَمْرِي وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِّن لِّسَانِي يَفْقَهُوا قَوْلِي
Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Segen und Frieden seien auf unserem Propheten Muhammad, auf seiner Familie und auf allen seinen Gefährten. Mein Herr! Schenke meinem Herzen Weite, erleichtere mir meine Aufgabe und löse den Knoten von meiner Zunge, damit sie meine Worte gut verstehen.
Lobpreis: al-Fatiha 1:2. Segenswunsch: frei gewählter Gebetswortlaut. Bittgebet: Ta-Ha 20:25–28
Liebe Gemeinde! Meine geschätzten Brüder und Schwestern, die ihr hier in Europa euren Glauben wie ein anvertrautes Gut bewahrt und euren Kindern und Nachbarn ein gutes Vorbild sein wollt!
Unsere Nachbarn, unsere Arbeitskollegen oder die Lehrkräfte unserer Kinder fragen uns nicht: „Wie viele Glaubensartikel gibt es?“ Aber sie schauen jeden Tag hin: Halten wir unser Wort? Erledigen wir unsere Arbeit ordentlich? Wie sprechen wir, wenn wir wütend werden? Unser europäischer Nachbar liest unser Leben, ehe er den Koran aufschlägt. Unser Herr vergleicht den Glauben und das gute Wort mit einem Baum, dessen Wurzel fest ist:
أَلَمْ تَرَ كَيْفَ ضَرَبَ اللَّهُ مَثَلًا كَلِمَةً طَيِّبَةً كَشَجَرَةٍ طَيِّبَةٍ أَصْلُهَا ثَابِتٌ وَفَرْعُهَا فِي السَّمَاءِ تُؤْتِي أُكُلَهَا كُلَّ حِينٍ بِإِذْنِ رَبِّهَا
Hast du nicht gesehen, was für ein Gleichnis Allah aufgestellt hat? Er hat das gute Wort mit einem guten Baum verglichen, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige im Himmel sind. Dieser Baum bringt mit der Erlaubnis seines Herrn zu jeder Zeit seine Frucht hervor.
Ibrahim 14:24–25; Auszug aus den Versen
Die Wurzel eines Baumes ist unter der Erde nicht zu sehen; seine Frucht aber liegt vor aller Augen. So liegt auch die Wurzel des Glaubens im Herzen; nur Allah kennt sie. Seine Frucht dagegen zeigt sich in unserem Gebet, in unseren Worten, in unserem Handel, in unserer Familie und in unserer Nachbarschaft. Heute wollen wir über die Eigenschaften des vollkommenen Gläubigen sprechen, wie der Koran und unser Prophet ihn beschreiben, das heißt des Gläubigen, dessen Glaube gereift ist und Früchte trägt. Der Glaube wurzelt im Herzen und trägt Frucht im Leben.
Im Leben sichtbar
FruchtIn unserem Gebet, in unseren Worten, in unserem Handel, in unserer Familie und in unserer Nachbarschaft.
Durch Handeln gestärkt
StammDas Handeln nährt den Glauben, stärkt ihn und lässt ihn reifen.
Liegt im Herzen
WurzelDas Fürwahrhalten des Herzens; nur Allah kennt es.

I. Die Grundlage des Glaubens und seine Vollkommenheit
Die Wurzel liegt im Herzen, die Frucht zeigt sich im Handeln und im Charakter: Durch seine Grundlage rettet der Glaube, durch seine Vollkommenheit erhebt er.
آمَنَ الرَّسُولُ بِمَا أُنزِلَ إِلَيْهِ مِن رَّبِّهِ وَالْمُؤْمِنُونَ كُلٌّ آمَنَ بِاللَّهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ لَا نُفَرِّقُ بَيْنَ أَحَدٍ مِّن رُّسُلِهِ وَقَالُوا سَمِعْنَا وَأَطَعْنَا غُفْرَانَكَ رَبَّنَا وَإِلَيْكَ الْمَصِيرُ
Der Gesandte Allahs und die Gläubigen glaubten an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt wurde. Jeder von ihnen glaubte an Allah, an seine Engel, seine Bücher und seine Gesandten. Sie sagten: „Wir machen keinen Unterschied zwischen seinen Gesandten“ und „Wir haben gehört und gehorcht. Um Deine Vergebung bitten wir, unser Herr, und zu Dir führt die Heimkehr.“
al-Baqara 2:285
Liebe Brüder und Schwestern! Glaube bedeutet, alles, was unser Prophet von Allah gebracht hat und mit Gewissheit bekannt ist, mit dem Herzen für wahr zu halten, das heißt, alles, was er mitgeteilt hat, ohne Zögern anzunehmen. Wer diese Annahme mit der Zunge bekennt, wird ein Gläubiger (Mu’min) genannt. Wer ablehnt, wird Kafir (Leugner) genannt; wer mit der Zunge sagt: „Ich glaube“, im Herzen aber nicht glaubt, heißt Munafiq (Heuchler).
Die sunnitischen Gelehrten unterscheiden zwischen der Grundlage des Glaubens und seiner Vollkommenheit: Das rechtschaffene Handeln gehört nicht zur Grundlage des Glaubens; deshalb verlässt ein Gläubiger, der Sünden begeht, den Glauben nicht. Aber das Handeln nährt den Glauben, stärkt ihn und lässt ihn reifen. Ein Baum, der Wurzeln hat, aber keine Früchte trägt, ist nicht verdorrt; er wartet jedoch auf die Mühe seines Gärtners. Durch seine Grundlage rettet der Glaube, durch seine Vollkommenheit erhebt er.
Grundlage: Wurzel
- Mit dem Herzen für wahr halten, mit der Zunge bekennen
- Ein Gläubiger, der Sünden begeht, verlässt den Glauben nicht
- Der Glaube rettet durch seine Grundlage
Vollkommenheit: Frucht
- Das Handeln nährt den Glauben, stärkt ihn und lässt ihn reifen
- Der Glaube erhebt durch seine Vollkommenheit
- Im Leben sichtbar
Ein Baum, der keine Früchte trägt, ist nicht verdorrt; er wartet auf die Mühe seines Gärtners.
الْإِيمَانُ بِضْعٌ وَسَبْعُونَ أَوْ بِضْعٌ وَسِتُّونَ شُعْبَةً، فَأَفْضَلُهَا قَوْلُ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ، وَأَدْنَاهَا إِمَاطَةُ الْأَذَى عَنِ الطَّرِيقِ، وَالْحَيَاءُ شُعْبَةٌ مِنَ الْإِيمَانِ
Der Glaube hat mehr als siebzig oder mehr als sechzig Zweige. Der höchste ist das Wort „La ilaha illa llah“, der niedrigste, etwas Schädliches vom Weg zu entfernen. Auch die Schamhaftigkeit (Haya’) ist ein Zweig des Glaubens.
Muslim, Iman, 58 (35)
Der höchste Zweig des Glaubens ist das Bekenntnis der Einheit Allahs, der niedrigste, ein Hindernis vom Weg zu räumen. Der Glaube ist also ein weites Leben, das vom Bekenntnis der Einheit im Herzen bis zu einem Stein auf dem Gehweg reicht. In einem anderen Hadith verbindet unser Prophet die Vollkommenheit des Glaubens mit der Geschwisterlichkeit: „Keiner von euch ist (wahrhaft) gläubig, solange er für seinen Bruder nicht wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ (al-Buchari, Iman, 7; Muslim, Iman, 71) Die Gelehrten haben die Worte „ist nicht (wahrhaft) gläubig“ hier als Verneinung nicht der Grundlage, sondern der Vollkommenheit des Glaubens verstanden. (an-Nawawi, Scharh Muslim, II, 16)
- Ganz obenLa ilaha illa llahBekenntnis der Einheit Allahs im Herzen und mit der Zunge
- DazwischenMehr als siebzig ZweigeAuch die Schamhaftigkeit (Haya’) ist ein Zweig des Glaubens
- Ganz untenEtwas Schädliches vom Weg entfernenEinen Stein vom Gehweg zu räumen ist ebenfalls ein Zweig des Glaubens
Auch der Koran sagt von denen, deren Herzen beben, wenn Allah erwähnt wird, die das Gebet verrichten und von ihrer Versorgung ausgeben (Infaq): „Das sind die wahren Gläubigen.“ (al-Anfal 8:2–4) Lasst uns nun die Eigenschaften dieses wahren Gläubigen der Reihe nach erläutern.

II. Der vollkommene Gläubige betet mit demütiger Andacht
Die Sure al-Mu’minun beginnt mit dem Gebet und endet mit dem Gebet; alle anderen Eigenschaften finden ihren Platz um das Gebet herum.
قَدْ أَفْلَحَ الْمُؤْمِنُونَ الَّذِينَ هُمْ فِي صَلَاتِهِمْ خَاشِعُونَ
Die Gläubigen haben ganz gewiss das Heil erlangt: jene, die in ihren Gebeten von tiefer Ehrfurcht erfüllt sind.
al-Mu’minun 23:1–2
Die Sure al-Mu’minun beginnt die Beschreibung der Gläubigen, die das Heil erlangen, mit dem Gebet und schließt auch wieder mit dem Gebet. Dazwischen zählt sie auf: sich von leerem Gerede abzuwenden, die Zakat zu entrichten, die Keuschheit zu wahren sowie das anvertraute Gut und das gegebene Wort zu achten. (al-Mu’minun 23:1–11) Die Eigenschaften des vollkommenen Gläubigen sind gleichsam in einen Rahmen gefasst, den das Gebet bildet:
1Sie beten in demütiger AndachtVers 2
- 2Vers 3Sie meiden leeres Gerede
- 3Vers 4Sie geben die Zakat
- 4Vers 5–7Sie wahren ihre Keuschheit
- 5Vers 8Sie bleiben dem Anvertrauten und dem Wort treu
6Sie hüten ihre GebeteVers 9
Frohe Botschaft: Sie erben das Paradies Firdaus (Vers 10–11)
Demütige Andacht (Chuschu‘) bedeutet, dass sich das Herz im Wissen, vor Allah zu stehen, in Ehrfurcht neigt und auch der Körper in dieser Ehrfurcht zur Ruhe kommt. Im Gebet nähert sich der Diener seinem Herrn am meisten in der Niederwerfung; doch es genügt nicht, es nur zu verrichten, die eigentliche Aufgabe ist es, im Gebet die demütige Andacht zu erreichen. Ein Gebet, das verrichtet wird, während unser Verstand beim Einkaufen, unser Blick auf der Uhr und unser Herz in der Welt ist, befreit zwar von der Pflicht, vermag das Herz aber nur schwer zu beleben.
Der Weg zur demütigen Andacht ist klar: das Gebet zur rechten Zeit und ohne Eile verrichten, die Bedeutung dessen lernen, was wir rezitieren, in der Niederwerfung einen Augenblick länger verweilen, vor dem Gebet das Telefon stumm schalten und mit dem Gedanken „Vielleicht ist dies mein letztes Gebet“ das Takbir sprechen. Demütige Andacht gewinnt man nicht auf einmal; mit jedem Gebet wächst sie ein wenig.
إِنَّ اللَّهَ لَا يَنْظُرُ إِلَى صُوَرِكُمْ وَأَمْوَالِكُمْ، وَلَكِنْ يَنْظُرُ إِلَى قُلُوبِكُمْ وَأَعْمَالِكُمْ
Allah schaut nicht auf eure Gestalten und euer Vermögen, sondern auf eure Herzen und eure Taten.
Muslim, Birr, 34 (2564)
Hier in Europa wird das Gebet manchmal in eine Arbeitspause, eine Schulpause oder auf einen Parkplatz unterwegs gepackt. Am Arbeitsplatz höflich mit dem Vorgesetzten zu sprechen, um die Gebetszeit einhalten zu können, an einem Ort ohne Gebetsraum in einer sauberen Ecke den Gebetsteppich auszubreiten und jedes Gebet, das wir in Gemeinschaft verrichten können, als Gewinn zu schätzen, das ist das Bemühen des vollkommenen Gläubigen. Steht das Gebet im Mittelpunkt unseres Lebens, so finden alle anderen Eigenschaften um es herum ihren Platz.

Wenn das Gebet ins Leben getragen wird: Aufrecht sein
اتْلُ مَا أُوحِيَ إِلَيْكَ مِنَ الْكِتَابِ وَأَقِمِ الصَّلَاةَ إِنَّ الصَّلَاةَ تَنْهَىٰ عَنِ الْفَحْشَاءِ وَالْمُنكَرِ
Rezitiere, was dir vom Buch offenbart wurde, und verrichte das Gebet mit Sorgfalt. Zweifellos hält das Gebet von Schamlosigkeit und Bösem ab.
al-‘Ankabut 29:45; Auszug aus dem Vers
Ein Gebet, das in demütiger Andacht verrichtet wird, endet nicht in der Niederwerfung; es wird ins Leben des Menschen getragen. So wie wir unseren Kopf zur Niederwerfung auf den Boden legen, soll sich auch unsere Hand niederwerfen und sich nicht nach dem Verbotenen ausstrecken; auch unser Fuß soll sich niederwerfen und nicht zum Bösen gehen. Es genügt nicht, dass unsere Zunge Allah gedenkt; sie soll nicht lügen, keine üble Nachrede betreiben und keine Zwietracht zwischen die Menschen säen. Wenn wir beten und doch den Menschen Unrecht tun, dann haben wir offenbar noch nicht erlangt, was uns das Gebet schenken soll.
فَاسْتَقِمْ كَمَا أُمِرْتَ وَمَن تَابَ مَعَكَ وَلَا تَطْغَوْا إِنَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ
Gemeinsam mit denen, die sich an deiner Seite dem rechten Weg zugewandt haben, sei aufrecht, wie dir befohlen wurde! Und überschreitet nicht die Grenzen. Gewiss, Allah sieht sehr wohl, was ihr tut.
Hud 11:112
Der Gefährte Sufyan ibn ‘Abdullah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gesandter Allahs! Sag mir über den Islam ein solches Wort, dass ich nach dir niemanden mehr danach fragen muss.“ Unser Prophet sagte: „Sprich: ‚Ich glaube an Allah‘, und sei dann aufrecht.“ (Muslim, Iman, 62) Aufrichtigkeit (Istiqama) bedeutet, dass Glaube, Wort und Verhalten miteinander übereinstimmen. Im Leben des vollkommenen Gläubigen gibt es keine Doppelmoral: Er ist nicht in der Moschee ein anderer als am Arbeitsplatz und nicht vor den Menschen ein anderer als allein.
- GlaubeDas Fürwahrhalten im Herzen
- WortWahr und schön
- VerhaltenÜberall dasselbe
In der Moschee wie auf dem Markt derselbe Mensch.
An einem Ort, an dem niemand uns sieht, sagen zu können: „Allah sieht mich“, ist der Kern der Aufrichtigkeit (Istiqama). Allah sieht uns in der Moschee ebenso wie in unserem Haus, an unserem Arbeitsplatz, auf dem Markt, im Geschäftsleben und vor dem Bildschirm.

III. Der vollkommene Gläubige hütet seine Zunge und seine Augen
Ohr, Auge und Herz sind ein anvertrautes Gut; sprich Gutes oder schweige.
وَلَا تَقْفُ مَا لَيْسَ لَكَ بِهِ عِلْمٌ إِنَّ السَّمْعَ وَالْبَصَرَ وَالْفُؤَادَ كُلُّ أُولَٰئِكَ كَانَ عَنْهُ مَسْئُولًا
Folge nicht dem, wovon du kein Wissen hast! Denn Ohr, Auge und Herz – sie alle sind dafür verantwortlich.
al-Isra’ 17:36
Liebe Brüder und Schwestern! Jedes Organ, das Allah uns gegeben hat, ist ein anvertrautes Gut, und über jedes anvertraute Gut wird Rechenschaft verlangt. Der vollkommene Gläubige weiß, dass die Zunge, dieses kleine Stück Fleisch, den Menschen im Diesseits wie im Jenseits ins Verderben stürzen kann. Unser Prophet ergriff seine eigene Zunge und sagte zu Mu‘adh ibn Dschabal (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Halte dies zurück!“ Und er fragte: „Ist es nicht die Ernte ihrer Zungen, die die Menschen kopfüber ins Feuer stürzt?“ (at-Tirmidhi, Iman, 8)
- OhrPrüfe das Gehörte, höre nicht auf Gerüchte.
- AugeSchau nicht auf Verbotenes; wenn nötig, dreh den Bildschirm um.
- HerzMeide üble Vermutungen, gib Groll und Neid keinen Raum.
- ZungeSprich Gutes oder schweige; üble Nachrede und Lüge haben keinen Platz.
مَنْ كَانَ يُؤْمِنُ بِاللَّهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ فَلْيَقُلْ خَيْرًا أَوْ لِيَصْمُتْ
Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der sage Gutes oder schweige.
al-Buchari, Riqaq, 23 (6475); Muslim, Iman, 74 (47); Auszug aus der Überlieferung
Der vollkommene Gläubige gibt auch auf sein Auge acht. Unser Herr gebietet den gläubigen Männern und den gläubigen Frauen, ihre Augen vor dem Verbotenen zu hüten. (al-Nur 24:30–31) Heute wird das Auge nicht nur auf der Straße geprüft, sondern auch auf dem Bildschirm in unserer Hand. Mit einem Klick liegt es an uns, den Blick von dem Bild abzuwenden, das uns erreicht. Doch jedes Bild, das wir wissentlich weiter betrachten, und jede Nachricht, die wir teilen, ohne zu wissen, ob sie wahr ist, wird auf das Konto unseres Auges und unseres Herzens geschrieben. Auch den Bildschirm umdrehen zu können, ist eine Frage des Glaubens.
Hier in Europa hat das auch eine sprachliche Dimension: Je mehr Sprachen wir beherrschen, desto größer wird unsere Verantwortung. Ob Türkisch, Französisch, Niederländisch oder Deutsch: In welcher Sprache wir auch sprechen, was unser Herr von uns will, ist dasselbe: ein wahres, schönes und passendes Wort.

IV. Der vollkommene Gläubige meidet üble Nachrede und Klatsch
Schlechte Vermutung, Suche nach Fehlern und üble Nachrede: drei Glieder einer Kette.
يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اجْتَنِبُوا كَثِيرًا مِّنَ الظَّنِّ إِنَّ بَعْضَ الظَّنِّ إِثْمٌ وَلَا تَجَسَّسُوا وَلَا يَغْتَب بَّعْضُكُم بَعْضًا أَيُحِبُّ أَحَدُكُمْ أَن يَأْكُلَ لَحْمَ أَخِيهِ مَيْتًا فَكَرِهْتُمُوهُ وَاتَّقُوا اللَّهَ إِنَّ اللَّهَ تَوَّابٌ رَّحِيمٌ
O ihr, die ihr glaubt! Meidet die meisten Vermutungen, denn manche Vermutung ist Sünde. Spioniert nicht nach dem Verborgenen und betreibt keine üble Nachrede übereinander. Würde es einem von euch gefallen, das Fleisch seines toten Bruders zu essen? Natürlich empfindet ihr Abscheu davor! Und hütet euch vor dem Ungehorsam gegenüber Allah. Allah nimmt die Reue reichlich an, und seine Barmherzigkeit ist grenzenlos.
al-Hujurat 49:12
Der Vers reiht drei Übel wie eine Kette aneinander: eine Kette, die mit schlechter Vermutung beginnt, durch das Suchen nach Fehlern wächst und damit endet, hinter dem Rücken des Bruders zu reden. Unser Herr vergleicht die üble Nachrede mit dem Verzehr des Fleisches des toten Bruders; denn derjenige, über den schlecht geredet wird, ist nicht anwesend und kann sich nicht verteidigen.
- 1Schlechte VermutungMeidet die meisten Vermutungen.
- 2Nach Fehlern suchenSpioniert nicht nach dem Verborgenen.
- 3Üble NachredeBetreibt keine üble Nachrede übereinander.
Unser Herr vergleicht die üble Nachrede mit dem Verzehr des Fleisches des toten Bruders.
أَتَدْرُونَ مَا الْغِيبَةُ؟ قَالُوا: اللَّهُ وَرَسُولُهُ أَعْلَمُ. قَالَ: ذِكْرُكَ أَخَاكَ بِمَا يَكْرَهُ
„Wisst ihr, was üble Nachrede ist?“ Die Gefährten sagten: „Allah und sein Gesandter wissen es besser.“ Unser Prophet sagte: „Dass du deinen Bruder mit etwas erwähnst, was er nicht mag.“ Als gefragt wurde: „Und wenn das, was ich sage, an meinem Bruder ist?“, sagte er: „Wenn es an ihm ist, hast du üble Nachrede begangen; wenn nicht, hast du ihn verleumdet.“
Muslim, Birr, 70 (2589); Auszug aus der Überlieferung
Unser Prophet hat den wahren Bankrotten so beschrieben: Am Tag der Auferstehung kommt er mit Gebet, Fasten und Zakat; doch er hat den einen beschimpft, den anderen verleumdet und das Vermögen eines anderen verzehrt. Seine guten Taten werden an die Berechtigten verteilt; sind sie aufgebraucht, werden deren Sünden auf ihn gelegt. (Muslim, Birr, 59) Üble Nachrede überträgt das Kapital für das Jenseits, das wir mühsam angespart haben, auf das Konto eines anderen.

V. Im Spiegel der Hadithe: Guter Charakter
Die Reife des Glaubens misst sich an der Schönheit des Charakters; die erste Prüfung liegt an der Tür unseres Hauses.
Liebe Brüder und Schwestern! Unser Prophet hat uns eine Waage hinterlassen, mit der sich die Reife des Glaubens messen lässt.
أَكْمَلُ الْمُؤْمِنِينَ إِيمَانًا أَحْسَنُهُمْ خُلُقًا، وَخِيَارُكُمْ خِيَارُكُمْ لِنِسَائِهِمْ خُلُقًا
Der im Glauben reifste unter den Gläubigen ist derjenige mit dem besten Charakter. Und die Besten unter euch sind diejenigen, die ihren Frauen gegenüber den besten Charakter zeigen.
at-Tirmidhi, Rada‘, 11 (1162)
In diesem Hadith begegnen sich Glaube und Charakter im selben Satz: Die Vollkommenheit des Glaubens bemisst sich an der Güte des Charakters. Der zweite Satz des Hadith zeigt, wo diese Waage zuerst aufgestellt wird: zu Hause. Ein Mensch, der draußen freundlich, höflich und hilfsbereit ist, zu Hause aber hart mit seinem Ehepartner und seinen Kindern umgeht, dessen Charakter hat die Vollkommenheit noch nicht erreicht. Die erste Prüfung des Charakters beginnt in dem Augenblick, in dem wir durch die Tür treten.
Unser Prophet fasst auch den Zweck seiner Sendung so zusammen: „Ich wurde nur gesandt, um den guten Charakter zu vollenden.“ (Ibn Hanbal, II, 381) Und unser Herr spricht ihn an und sagt:
وَإِنَّكَ لَعَلَىٰ خُلُقٍ عَظِيمٍ
Du verfügst gewiss über einen erhabenen Charakter.
al-Qalam 68:4
Als unsere Mutter Aischa nach dem Charakter unseres Propheten gefragt wurde, antwortete sie: „Sein Charakter war der Koran.“ (Muslim, Musafirin, 139) Ein Leben, das alles Schöne lebt, was der Koran gebietet, und sich von allem Hässlichen fernhält, was er verbietet … Der vollkommene Gläubige nimmt sich dieses Leben zum Vorbild. Unser Herr zeigt uns dieses Vorbild so: „Für diejenigen unter euch, die auf Allahs Güte und auf den Jüngsten Tag hoffen und Allah oft gedenken, liegt im Gesandten Allahs gewiss ein schönes Vorbild.“ (al-Ahzab 33:21)
Guter Charakter bedeutet, mit einem Lächeln den Friedensgruß zu sprechen, ein verletzendes Wort herunterzuschlucken, Ältere zu achten, Jüngeren mit Zuneigung zu begegnen und denen zu danken, die uns dienen. Das scheint klein; doch unser Prophet hat mitgeteilt, dass am Tag der Auferstehung auf der Waage des Gläubigen nichts schwerer wiegt als der gute Charakter (at-Tirmidhi, Birr, 62).
- Mit einem Lächeln grüßen
- Kränkendes Wort zurückhalten
- Achtung vor den Älteren
- Zuneigung zu den Jüngeren
- Denen danken, die uns dienen

Der, vor dessen Hand und Zunge man sicher ist
الْمُسْلِمُ مَنْ سَلِمَ النَّاسُ مِنْ لِسَانِهِ وَيَدِهِ، وَالْمُؤْمِنُ مَنْ أَمِنَهُ النَّاسُ عَلَى دِمَائِهِمْ وَأَمْوَالِهِمْ
Der Muslim ist derjenige, vor dessen Zunge und Hand die Menschen in Sicherheit sind. Und der Gläubige ist derjenige, vor dem die Menschen hinsichtlich ihres Lebens und ihres Vermögens sicher sind.
an-Nasa’i, Iman, 8 (4998); mit ähnlichem Wortlaut at-Tirmidhi, Iman, 12 (2627)
Liebe Brüder und Schwestern! Das Wort „Mu’min“ (der Gläubige) stammt von der Wurzel „Vertrauen“. Einer der schönen Namen Allahs ist al-Mu’min; das bedeutet: der seinen Dienern Sicherheit gibt. Der Gläubige ist also ein Mensch, der vertraut und Vertrauen schenkt. Vor der Hand und der Zunge des vollkommenen Gläubigen braucht man sich nicht zu fürchten. Er betrügt nicht, sein Handel ist redlich, am anvertrauten Gut begeht er keinen Verrat. Wie er in der Gebetsreihe der Moschee Vertrauen schenkt, so schenkt er es auch außerhalb der Moschee.
Unser Prophet hat dieses Vertrauen auch am Beispiel der Nachbarschaft erklärt. Dreimal sagte er: „Bei Allah, er glaubt nicht!“ Als gefragt wurde: „Wer, o Gesandter Allahs?“, sagte er: „Derjenige, dessen Nachbar vor seinen Bosheiten nicht sicher ist.“ (al-Buchari, Adab, 29)
Hier in Europa ist jeder Muslim, ob er will oder nicht, ein Vertreter des Islam. Die Lüge eines Einzelnen kann der ganzen Gemeinde, der Betrug eines Händlers allen Muslimen angelastet werden. Ebenso sagen die Ehrlichkeit eines Arbeiters, das gute Benehmen eines Schülers und das freundliche Gesicht eines Nachbarn mehr als eine Erzählung von tausend Worten. Ein Nachbar, der sich bei uns sicher fühlt, ist ein Fenster, das sich zum Islam hin öffnet.

VI. Der Gläubige beherrscht seinen Zorn und verzeiht
Den Zorn bezwingen, verzeihen und nicht davor zurückscheuen, als Erster zu grüßen.
الَّذِينَ يُنفِقُونَ فِي السَّرَّاءِ وَالضَّرَّاءِ وَالْكَاظِمِينَ الْغَيْظَ وَالْعَافِينَ عَنِ النَّاسِ وَاللَّهُ يُحِبُّ الْمُحْسِنِينَ
Sie (die Gottesfürchtigen) geben auf dem Weg Allahs aus, im Wohlstand wie in Not, sie bezwingen ihren Zorn und verzeihen den Menschen. Allah liebt jene, die ihr Tun in bester Weise verrichten.
Al ‘Imran 3:134
Zorn ist ein natürliches Gefühl, das Allah dem Menschen gegeben hat; der Fehler liegt nicht in seinem Dasein, sondern darin, dass er die Zügel an sich reißt. Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Folge verwandelt sich manchmal in eine Reue, die sich nicht mehr gutmachen lässt. Wir wissen, dass durch einen Augenblick des Zorns schon manches Heim zerstört wurde und manche Freundschaft zu Ende ging. Unser Prophet sagte: „Stark ist nicht, wer im Ringkampf seinen Gegner besiegt; wirklich stark ist, wer sich im Augenblick des Zorns beherrscht.“ (al-Buchari, Adab, 76; Muslim, Birr, 107) Er hat empfohlen, bei aufwallendem Zorn bei Allah Zuflucht zu suchen, zu schweigen und sich hinzusetzen, wenn wir stehen (al-Buchari, Adab, 76; Ibn Hanbal, I, 239; Abu Dawud, Adab, 3); auch wird eine Überlieferung mit schwachem Isnad berichtet, die rät, den Zorn mit der rituellen Waschung zu löschen.
Der Gläubige, der seinen Zorn bezwingt, geht noch einen Schritt weiter und verzeiht. Unser Herr teilt mit, dass es Gerechtigkeit ist, Böses mit gleichem Maß zu vergelten, dass es aber eine Tugend ist, zu verzeihen und das Verhältnis wieder in Ordnung zu bringen, und dass Allah selbst dafür den Lohn gibt. (al-Shura 42:40)
- 1Den Zorn bezwingenkazm al-ghayzIm Zorn Zunge und Hand zügeln
- 2Verzeihen‘afwDen Groll ablegen, das Verhältnis wieder in Ordnung bringen
- 3Gutes tunihsanZu denen gehören, die ihr Tun in bester Weise verrichten
Allah liebt jene, die ihr Tun in bester Weise verrichten.
مَا نَقَصَتْ صَدَقَةٌ مِنْ مَالٍ، وَمَا زَادَ اللَّهُ عَبْدًا بِعَفْوٍ إِلَّا عِزًّا، وَمَا تَوَاضَعَ أَحَدٌ لِلَّهِ إِلَّا رَفَعَهُ اللَّهُ
Das Almosen mindert den Besitz nicht. Allah mehrt bei einem Diener, der verzeiht, nichts anderes als dessen Ehre. Und wer sich um Allahs willen demütig zeigt, den erhöht Allah.
Muslim, Birr, 69 (2588)
Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte geschworen, seinem Verwandten Mistah, der an der Verleumdung gegen Abu Bakrs Tochter Aischa beteiligt gewesen war, nicht mehr zu helfen. Daraufhin wurde der Vers herabgesandt: „Sie sollen verzeihen und Nachsicht üben. Wünscht ihr nicht, dass Allah euch vergibt?“ (al-Nur 24:22) Abu Bakr sagte ohne Zögern: „Doch, bei Allah, ich wünsche, dass Allah mir vergibt“, und nahm die Unterstützung für Mistah wieder auf. (al-Buchari, Tafsir, al-Nur, 6) Auch unser Prophet gab das erhabenste Beispiel für diesen Charakter, als er bei der Einnahme von Mekka denen verzieh, die ihn jahrelang gequält hatten.
Der vollkommene Gläubige hält sich nicht länger als drei Tage grollend von seinem Bruder fern; denn unser Prophet hat mitgeteilt, dass dies nicht erlaubt ist und dass von zwei Menschen, die einander grollend aus dem Weg gehen, der Bessere derjenige ist, der zuerst den Friedensgruß entbietet. (al-Buchari, Adab, 62; Muslim, Birr, 25) Wer möchte, dass ihm verziehen wird, verzeiht; der vollkommene Gläubige scheut sich nicht, der Erste zu sein, der grüßt.

VII. Geduld und Dankbarkeit: Die beiden Flügel des Gläubigen
Geduld in der Not, Dankbarkeit im Wohlstand: Ein Vogel, der mit beiden Flügeln fliegt, verliert den Weg nicht.
وَالصَّلَاةُ نُورٌ، وَالصَّدَقَةُ بُرْهَانٌ، وَالصَّبْرُ ضِيَاءٌ
Das Gebet ist Licht, das Almosen ist ein Beweis (für den Glauben), die Geduld aber ist ein strahlendes Licht.
Muslim, Tahara, 1 (223); Auszug aus der Überlieferung
Das Wort Diya’, das im Hadith für die Geduld gebraucht wird, beschreibt ein Licht wie das der Sonne, das zugleich erhellt und wärmt. Die Geduld gleicht einer Öllampe, die in einer dunklen Nacht brennt: Sie lässt die Not nicht auf einmal verschwinden, aber sie lässt uns unseren Weg sehen. Wenn den vollkommenen Gläubigen ein Unglück trifft, lehnt er sich nicht auf und klagt nicht jedem sein Leid, der ihm begegnet. Er weiß, dass jede Not, die er erlebt, eine Prüfung in dieser Welt ist, und hält sich an die frohe Botschaft unseres Herrn: „Gewiss, Allah ist mit den Geduldigen.“ (al-Baqara 2:153)
Geduld bedeutet nicht nur, ein Unglück zu ertragen. Auch dem Verbotenen zu widerstehen, im Gottesdienst nicht nachzulassen und in der Wahrhaftigkeit standhaft zu bleiben, ist Geduld. Die Sure al-‘Asr teilt mit, dass diejenigen, die dem Verlust entgehen, diejenigen sind, die glauben und rechtschaffen handeln und einander zur Wahrheit und zur Geduld mahnen. (al-‘Asr 103:1–3) Eine der schönsten Wohltaten, die man einem Muslim erweisen kann, ist es, ihn an seinem schweren Tag an die Geduld zu erinnern.
عَجَبًا لِأَمْرِ الْمُؤْمِنِ، إِنَّ أَمْرَهُ كُلَّهُ خَيْرٌ، وَلَيْسَ ذَاكَ لِأَحَدٍ إِلَّا لِلْمُؤْمِنِ، إِنْ أَصَابَتْهُ سَرَّاءُ شَكَرَ فَكَانَ خَيْرًا لَهُ، وَإِنْ أَصَابَتْهُ ضَرَّاءُ صَبَرَ فَكَانَ خَيْرًا لَهُ
Wie wunderbar ist die Lage des Gläubigen! Alles in seinem Leben ist gut für ihn, und das gilt nur für den Gläubigen. Widerfährt ihm etwas Erfreuliches, so ist er dankbar, und das ist gut für ihn. Widerfährt ihm eine Bedrängnis, so ist er geduldig, und auch das ist gut für ihn.
Muslim, Zuhd, 64 (2999)

Das Leben hier in Europa stellt Geduld wie Dankbarkeit oft auf die Probe: eine Krankheit, ein Arbeitsplatzverlust, ein Kummer mit den Kindern, die Ferne der Eltern in der Heimat … Dasselbe Leben hier schenkt uns aber auch Gaben: erlaubten Lebensunterhalt, die Ausbildung unserer Kinder, die Gemeinschaft unserer Moschee. Der vollkommene Gläubige übt in der Not Geduld und zeigt im Wohlstand Dankbarkeit; wie ein Vogel, der mit beiden Flügeln fliegt, verliert er den Weg nicht.
In der Not
GeduldIm Unglück nicht aufbegehren, dem Verbotenen widerstehen, im Gottesdienst und in der Wahrhaftigkeit standhaft bleiben.
Im Wohlstand
DankbarkeitDankbar sein für erlaubten Lebensunterhalt, für die Ausbildung unserer Kinder und für die Gemeinschaft unserer Moschee.
Ein Vogel, der mit beiden Flügeln fliegt, verliert den Weg nicht.

VIII. Infaq und Treue zum gegebenen Wort: Der Gläubige, der das anvertraute Gut treu bewahrt
Den Lebensunterhalt teilen, zum gegebenen Wort und zur Unterschrift stehen.
إِنَّ الَّذِينَ يَتْلُونَ كِتَابَ اللَّهِ وَأَقَامُوا الصَّلَاةَ وَأَنفَقُوا مِمَّا رَزَقْنَاهُمْ سِرًّا وَعَلَانِيَةً يَرْجُونَ تِجَارَةً لَّن تَبُورَ
Diejenigen, die das Buch Allahs rezitieren, das Gebet mit Sorgfalt verrichten und von dem, womit Wir sie versorgt haben, heimlich und offen für andere ausgeben, dürfen auf einen Handel hoffen, der niemals mit Verlust endet.
Fatir 35:29
Infaq (Ausgeben um Allahs willen) bedeutet, einen Teil der Gaben, die Allah gegeben hat, um Allahs Wohlgefallens willen mit den Bedürftigen zu teilen. Der Koran erwähnt das Infaq unmittelbar neben dem Glauben; denn wer sein Vermögen teilen kann, zeigt damit, dass sein Herz nicht an der Welt hängt. Heimliches Infaq schützt vor Zurschaustellung, offenes Infaq gibt anderen ein Beispiel. Die Hilfspakete unserer Moscheevereine, die Stipendien für Studierende, die Bestattungsfonds und die Hände, die sich den Erdbebenopfern entgegenstrecken, sind die Zweigstellen dieses Handels hier in Europa.
Heimliches Infaq
- Schützt vor Zurschaustellung
- Zeigt, dass das Herz nicht an der Welt hängt
Offenes Infaq
- Gibt anderen ein Beispiel
- Hilfspakete, Stipendien für Studierende, Bestattungsfonds
Ein Handel, der niemals mit Verlust endet.
لَا إِيمَانَ لِمَنْ لَا أَمَانَةَ لَهُ، وَلَا دِينَ لِمَنْ لَا عَهْدَ لَهُ
Wer dem anvertrauten Gut keine Achtung erweist, hat keinen (vollkommenen) Glauben; wer sein gegebenes Wort nicht hält, hat keine (vollkommene) Religion.
Ibn Hanbal, III, 134
Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass unser Prophet diese Worte in fast jeder Ansprache an uns sprach. Treue zum gegebenen Wort bedeutet, dem gegebenen Wort und der getroffenen Vereinbarung treu verbunden zu bleiben. Unser Herr sagt: „O ihr, die ihr glaubt! Erfüllt die Verträge“ (al-Ma’ida 5:1) und: „Haltet euer Wort; denn ein gegebenes Wort zieht Verantwortung nach sich“ (al-Isra’ 17:34). Unser Prophet aber zählte zu den Kennzeichen des Heuchlers, beim Reden zu lügen, bei einem Versprechen sein Wort zu brechen und das anvertraute Gut zu verraten. (al-Buchari, Iman, 24; Muslim, Iman, 107)
Hier in Europa ist die Treue zum gegebenen Wort ein sehr weites Feld: den Arbeitsvertrag und die Arbeitszeiten einhalten, bei Miete und Schulden zuverlässig bleiben, pünktlich zu Terminen erscheinen, Steuern und Versicherungsbeiträge ehrlich bezahlen, sich an die rechtmäßige Ordnung des Landes halten, in dem wir leben. Jede Tür, durch die wir mit einer Aufenthaltserlaubnis, einer Arbeitserlaubnis oder der Staatsbürgerschaft eintreten, ist ein Vertrag. Der vollkommene Gläubige steht zu seiner Unterschrift und zu seinem Wort.

Treue zum gegebenen Wort hier in Europa
- Arbeitsvertrag und Arbeitszeiten einhalten
- Zuverlässigkeit bei Miete und Schulden
- Pünktlich zu Terminen erscheinen
- Steuern und Versicherungsbeiträge ehrlich bezahlen
- Die rechtmäßige Ordnung des Landes einhalten, in dem wir leben
Jede Tür, durch die wir mit einer Aufenthaltserlaubnis, einer Arbeitserlaubnis oder der Staatsbürgerschaft eintreten, ist ein Vertrag.

IX. Vom Predigtpult zum Herzen: Der Spiegel des Korans und die sieben Vorsätze
Die Gläubigen, wie der Koran sie beschreibt, und sieben Vorsätze, die wir an einem sichtbaren Platz in unserem Haus aufhängen.
Liebe Gemeinde! Die Eigenschaften des vollkommenen Gläubigen sind damit nicht erschöpft; der Koran hält uns einen noch weiteren Spiegel vor.
DIE GLÄUBIGEN IM SPIEGEL DES KORANS Eigenschaft · Vers
- Sie glauben an das Verborgene, verrichten das Gebet und geben von dem, was Wir ihnen gegeben haben, für das Gute aus.al-Baqara 2:3
- Sie halten sich von sinnlosem, nutzlosem Reden und Tun fern.al-Mu’minun 23:3
- Sie sind den ihnen anvertrauten Gütern und ihrem gegebenen Wort treu.al-Mu’minun 23:8
- Sie gehen mit Würde über die Erde; und wenn die Unwissenden sie schroff ansprechen, sagen sie „Frieden“ und gehen weiter.al-Furqan 25:63
- Sie verbringen ihre Nächte, indem sie sich vor ihrem Herrn niederwerfen und vor ihm stehen.al-Furqan 25:64
- Wenn sie ausgeben, sind sie weder verschwenderisch noch geizig; zwischen beidem halten sie die Mitte.al-Furqan 25:67
- Sie legen kein Zeugnis für Haltloses ab; und wenn sie auf sinnloses Treiben stoßen, gehen sie würdevoll weiter.al-Furqan 25:72
- Sie bitten: „Unser Herr, schenke uns Ehepartner und Kinder, die uns Freude bringen!“al-Furqan 25:74
- Ich werde mein Gebet in demütiger Andacht verrichten. Ich werde es zur rechten Zeit und ohne Eile verrichten und zulassen, dass mein Gebet mich vom Bösen abhält.
- Ich werde überall derselbe Mensch sein. In der Moschee, zu Hause, bei der Arbeit und vor dem Bildschirm werde ich nicht vergessen, dass Allah mich sieht.
- Ich werde meine Zunge hüten. Ich werde nicht lügen, keine üble Nachrede betreiben und keine verletzenden Worte sagen; ich werde entweder Gutes sagen oder schweigen.
- Ich werde mein Auge und meinen Bildschirm schützen. Ich werde nicht auf Verbotenes schauen und keine Nachricht teilen, deren Wahrheit ich nicht kenne.
- Ich werde zu Hause mit gutem Charakter leben. Meinem Ehepartner, meinen Kindern und meinen Eltern werde ich mit dem schönsten Verhalten begegnen.
- Ich werde meinen Zorn bezwingen, geduldig sein und danken. Ich werde zu verzeihen wissen, nicht länger als drei Tage grollen und in der Not Geduld üben, im Wohlstand Dankbarkeit zeigen.
- Ich werde mein Wort halten und meinen Lebensunterhalt teilen. Ich werde bei anvertrautem Gut, Schulden, Terminen und Verträgen Treue zeigen und von meinem Lebensunterhalt heimlich und offen Infaq geben.
لَا يُؤْمِنُ أَحَدُكُمْ حَتَّى يُحِبَّ لِأَخِيهِ مَا يُحِبُّ لِنَفْسِهِ
Keiner von euch glaubt (im vollen Sinne), solange er für seinen Bruder nicht wünscht, was er für sich selbst wünscht.
al-Buchari, Iman, 7 (13); Muslim, Iman, 71 (45)
Der Glaube wurzelt im Herzen und trägt Frucht im Leben; der vollkommene Gläubige ist in der Moschee und auf dem Markt derselbe Mensch. Wenn wir dieses Freitagsgebet verlassen, wollen wir uns eine Frage stellen: Welcher Zweig meines Baumes wartet am meisten auf Frucht? Mein Gebet, meine Zunge, mein Zuhause oder mein Wort? Lasst uns die Absicht fassen, diesen Zweig in dieser Woche zu gießen, und uns unserem Herrn zuwenden.
- Mein GebetIn demütiger Andacht, zur rechten Zeit
- Meine ZungeGutes sagen oder schweigen
- Mein ZuhauseGuter Charakter
- Mein WortTreue zum gegebenen Wort und zum anvertrauten Gut

Schluss der Predigt und Bittgebet der Gemeinde hier in Europa
Wir beten, um den Glauben in unserem Leben lebendig zu halten und uns unserem Herrn zuzuwenden.
Liebe Brüder und Schwestern! Lasst uns unsere Herzen unserem Herrn öffnen.
أَعُوذُ بِاللَّهِ مِنَ الشَّيْطَانِ الرَّجِيمِ
الْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ، وَالصَّلَاةُ وَالسَّلَامُ عَلَى رَسُولِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلَى آلِهِ وَصَحْبِهِ أَجْمَعِينَ
Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Übel des verstoßenen Satans. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Segen und Frieden seien auf unserem Propheten Muhammad, auf seiner Familie und auf allen seinen Gefährten.
Lobpreis: al-Fatiha 1:2. Zuflucht und Segenswunsch: frei gewählter Gebetswortlaut
رَبَّنَا لَا تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ إِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِن لَّدُنكَ رَحْمَةً إِنَّكَ أَنتَ الْوَهَّابُ
Unser Herr! Lass unsere Herzen nicht abirren, nachdem Du uns rechtgeleitet hast, und gewähre uns Barmherzigkeit von Dir. Zweifellos bist Du allein derjenige, dessen Gunst überreich ist.
Al ‘Imran 3:8
O Allah! Mache uns den Glauben lieb und lass ihn in unseren Herzen heimisch werden (al-Hujurat 49:7); lass den Glauben, den Du in unser Herz gelegt hast, sich in unserem Charakter widerspiegeln. Schenke unserer Zunge Wahrhaftigkeit, unserem Herzen Lauterkeit, unserem Auge Schamhaftigkeit, unserer Hand das Erlaubte und unserem Fuß den aufrechten Gang (Istiqama). Erleichtere uns, unsere Gebete in demütiger Andacht zu verrichten, zu unserem Wort zu stehen und dem anvertrauten Gut treu zu bleiben.
Unser Herr! Halte uns fern von Worten, Taten und Verhaltensweisen, die einem vollkommenen Gläubigen nicht anstehen. Erfülle unsere Häuser mit gutem Charakter, unsere Tische mit Segen und unsere Nachbarschaften mit Vertrauen. Mache uns hier in Europa zu guten Vertretern des Islam; mache unsere Kinder zu Generationen, die ihren Glauben in ihrem Leben verwirklichen.
O Allah! Mache uns zu denen, die in der Not geduldig sind, im Wohlstand dankbar, und zu denen, die ihren Zorn bezwingen und verzeihen. Gewähre uns, unseren letzten Atemzug im Glauben zu tun und in Ehren vor Dich zu treten. Mache uns nicht nur zu denen, die sagen: „Ich bin Muslim“, sondern zu vollkommenen Gläubigen, die den Islam in ihrem Alltag leben.
Rabbana atina fi-d-dunya hasanatan wa fi-l-achirati hasanatan wa qina ‘adhaba-n-nar: Unser Herr! Gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes, und bewahre uns vor der Strafe der Hölle (al-Baqara 2:201). Amin. Wa-l-hamdu li-llahi rabbi-l-‘alamin. Al-Fatiha.
Verse, Hadithe und weitere Quellen
Die Bedeutungswiedergaben geben den Sinn wieder und wurden mit dem Korankommentar Kur’an Yolu verglichen; gekürzte Verse und Hadithe sind im Text gekennzeichnet. Der Wortlaut der Verse stammt aus dem Text von Tanzil, der Wortlaut der Hadithe wurde mit sunnah.com und Hadislerle İslam verglichen, die Grade der Überlieferungen wurden auf dorar.net geprüft.
- Verse: al-Fatiha 1:2; Ta-Ha 20:25–28; Ibrahim 14:24–25; al-Baqara 2:285; al-Anfal 8:2–4; al-Mu’minun 23:1–11; al-‘Ankabut 29:45; Hud 11:112; al-Isra’ 17:36; al-Nur 24:30–31; al-Hujurat 49:12; al-Qalam 68:4; al-Ahzab 33:21; Al ‘Imran 3:134; al-Shura 42:40; al-Nur 24:22; al-Baqara 2:153; al-‘Asr 103:1–3; Fatir 35:29; al-Ma’ida 5:1; al-Isra’ 17:34; al-Baqara 2:3; al-Furqan 25:63; al-Furqan 25:64; al-Furqan 25:67; al-Furqan 25:72; al-Furqan 25:74; Al ‘Imran 3:8; al-Hujurat 49:7; al-Baqara 2:201.
- Hadithe: Muslim, Iman 58 (35); al-Buchari, Iman 7 (13) und Muslim, Iman 71 (45); Muslim, Birr 34 (2564); Muslim, Iman 62; at-Tirmidhi, Iman 8; al-Buchari, Riqaq 23 (6475) und Muslim, Iman 74 (47); Muslim, Birr 70 (2589); Muslim, Birr 59; at-Tirmidhi, Rada‘ 11 (1162); Ibn Hanbal II, 381; Muslim, Musafirin 139; at-Tirmidhi, Birr 62; an-Nasa’i, Iman 8 (4998) und at-Tirmidhi, Iman 12 (2627); al-Buchari, Adab 29; al-Buchari, Adab 76 und Muslim, Birr 107; Ibn Hanbal I, 239 und Abu Dawud, Adab 3; Muslim, Birr 69 (2588); al-Buchari, Tafsir, al-Nur 6; al-Buchari, Adab 62 und Muslim, Birr 25; Muslim, Tahara 1 (223); Muslim, Zuhd 64 (2999); Ibn Hanbal III, 134; al-Buchari, Iman 24 und Muslim, Iman 107.
- Bericht eines Prophetengefährten: Das Gespräch zwischen dem Hirten und ‘Abdullah ibn ‘Umar ist kein Hadith, sondern ein von einem Prophetengefährten überlieferter Bericht: al-Haithami, Madschma‘ az-zawa’id IX, 350; al-Baihaqi, Schu‘ab al-Iman IV, 329.
- Enzyklopädie und Kommentar: TDV İslâm Ansiklopedisi, „İman“, „Huşû“ und „İstikâmet“; an-Nawawi, Scharh Muslim II, 16.
- Bilder: Die Szenenbilder sind mit künstlicher Intelligenz erzeugte, beispielhafte Illustrationen; Propheten und Prophetengefährten werden nicht dargestellt. Auch die Szenen „Ein Wort in der Chatgruppe“ und „Die Ehrlichkeitsprüfung des Bäckers“ sind beispielhaft.